Bosch P10 Einspritzpumpen für MWM/Deutz TBD620 V16 – vollständige Instandsetzung und Tandemkalibrierung
Referenzprojekt eines 1.800-kW-Marine-Hauptantriebes
Bei diesem Projekt wurden zwei zusammengehörige Bosch P10 Reiheneinspritzpumpen eines MWM/Deutz TBD620 V16 beziehungsweise TBD 620 V16 vollständig befundet, instand gesetzt und auf dem Prüfstand kalibriert.
Der 16-Zylinder-Motor wird als Marine-Hauptantrieb eingesetzt und leistet rund 1.800 kW bei 1.500 1/min.
Das Einspritzsystem besteht aus zwei Achtzylinder-Reiheneinspritzpumpen, die im Motor mechanisch miteinander verbunden sind und gemeinsam die Kraftstoffversorgung aller 16 Zylinder übernehmen.
Bei diesem Pumpensystem handelt es sich um:
Vordere Bosch P10 Einspritzpumpe
Bosch Typ: PE8/10/150/100LS50
Bosch Teilenummer: 9 410 365 828
Alternative Schreibweise: 9410365828
MWM/Deutz Teilenummer: 12302170
Weitere Schreibweisen: 1230 2170 / 1230-2170
Hintere Bosch P10 Einspritzpumpe
Bosch Typ: PE8/10/150/100LS51
Bosch Teilenummer: 9 410 365 829
Alternative Schreibweise: 9410365829
MWM/Deutz Teilenummer: 12302171
Weitere Schreibweisen: 1230 2171 / 1230-2171
Die auf den Bildern gezeigte Einspritzpumpe ist die vordere Pumpe 12302170 / PE8/10/150/100LS50 während der Einzelprüfung und Kalibrierung auf unserem Prüfstand.
Ausgangssituation: Kraftstoffeintrag in das Motoröl
Anlass für die Überprüfung des Einspritzsystems war ein im Rahmen wiederholter Motorölanalysen festgestellter Kraftstoffeintrag in das Motoröl.
Ein zunehmender Kraftstoffanteil im Schmieröl eines Großdieselmotors ist technisch ernst zu nehmen. Durch die Kraftstoffverdünnung können sich unter anderem die Viskosität und damit die Schmierbedingungen des Motoröls verändern.
Die Ursache eines solchen Befundes muss grundsätzlich im Gesamtsystem untersucht werden. Ein Kraftstoffeintrag in das Motoröl darf nicht automatisch allein der Einspritzpumpe zugeschrieben werden.
Bei der anschließenden vollständigen Zerlegung beider Bosch-P10-Pumpen zeigte sich jedoch ein erheblicher Verschleiß verschiedener Präzisions- und Antriebskomponenten.
Technischer Befund nach der Demontage
Beide Einspritzpumpen wurden vollständig zerlegt, intensiv gereinigt und anschließend hinsichtlich Verschleiß, Maßhaltigkeit und Wiederverwendbarkeit geprüft.
Dabei wurden deutliche Verschleißerscheinungen festgestellt.
Betroffen waren insbesondere:
- sämtliche Pumpenelemente
- sämtliche Druckventile
- sämtliche Stößel
- mehrere Regelhülsen
Die vorhandenen Pumpenelemente waren für eine fachgerechte vollständige Instandsetzung nicht mehr weiterverwendbar.
Auch sämtliche Druckventile und Stößel wurden aufgrund ihres Verschleißzustandes ersetzt.
Zusätzlich waren mehrere Regelhülsen ausgeschlagen und mussten erneuert werden.
Dieser Befund zeigt sehr deutlich, warum bei einer Großdiesel-Einspritzpumpe dieser Bauart eine reine Abdichtung keine ausreichende Reparatur dargestellt hätte.
Vollständige Instandsetzung der Bosch P10 Pumpen
Nach Abschluss der Befundung erfolgte die vollständige Instandsetzung beider Einspritzpumpen.
Der Arbeitsumfang umfasste unter anderem:
- vollständige technische Identifikation
- Dokumentation des Eingangszustandes
- komplette Demontage
- gründliche Reinigung sämtlicher Baugruppen
- Vermessung der relevanten Präzisionsbauteile
- Kontrolle der Pumpengehäuse
- Prüfung der Nockenwellen
- Prüfung der Lagerstellen
- Kontrolle der Rollen- und Stößelmechanik
- Prüfung der Regelstange
- Prüfung der Regelhülsen
- Prüfung der Pumpenelemente
- Prüfung der Druckventile
- Kontrolle der Antriebskomponenten
- Erneuerung sämtlicher erforderlicher Dichtungen
- Austausch der verschlissenen Bauteile
- vollständiger mechanischer Neuaufbau
- interne Grundeinstellung
- Einzelprüfung jeder Einspritzpumpe
- Einzelkalibrierung
- mechanische Kopplung beider Pumpen
- gemeinsamer Tandem-Prüflauf
- abschließende Korrektur beider Pumpen
- finale Systemprüfung
Erneuert wurden insbesondere:
alle Pumpenelemente
alle Druckventile
alle Stößel
sowie:
mehrere verschlissene Regelhülsen.
Kalibrierung nach originalen Bosch-Prüfdaten und Motor-Abnahmedaten
Nach dem vollständigen mechanischen Neuaufbau wurden beide Bosch-P10-Einspritzpumpen zunächst unabhängig voneinander auf dem Prüfstand eingestellt.
Für die Kalibrierung standen sowohl:
originale Bosch-Prüfdaten
als auch:
Motor-Abnahmedaten
zur Verfügung.
Diese eindeutige technische Datenbasis ist besonders bei historischen Großdiesel-Einspritzsystemen von großer Bedeutung.
Die Einstellung einer Bosch P10 erfolgt nicht lediglich anhand der Baugröße „P10“. Selbst äußerlich sehr ähnliche Pumpen können unterschiedliche:
- Pumpenelemente
- Nockenwellen
- Förderkennlinien
- Nenndrehzahlen
- Motorleistungen
- Grundeinstellungen
- und Anwendungsspezifikationen
besitzen.
Deshalb werden Pumpentyp, Bosch-Nummer, MWM/Deutz-Teilenummer und Motoranwendung immer gemeinsam betrachtet.
Einzelprüfung der Bosch PE8/10/150/100LS50
Auf den Bildern ist die vordere Bosch-P10-Einspritzpumpe
PE8/10/150/100LS50
mit der MWM/Deutz-Teilenummer
12302170
während ihrer Einzelprüfung zu sehen.
Auf dem Prüfstand werden die acht Pumpenelemente getrennt voneinander beurteilt.
Abhängig von der vorliegenden Prüfvorschrift werden unter anderem kontrolliert:
- Fördermenge jedes einzelnen Pumpenelements
- Gleichmäßigkeit der acht Elemente
- Fördermengen bei den vorgesehenen Prüfdrehzahlen
- Wiederholbarkeit der Messwerte
- Regelstangenbewegung
- interne Grundeinstellung
- äußere Dichtheit
- mechanisches Laufverhalten
Die graduierten Messgläser ermöglichen die volumetrische Erfassung der Fördermenge jedes Pumpenelements.
Bei einer Großdiesel-Einspritzpumpe ist deshalb nicht nur die Gesamtfördermenge entscheidend.
Ebenso wichtig ist die gleichmäßige Verteilung der Kraftstoffmenge auf alle Zylinder innerhalb der vorgegebenen technischen Toleranzen.
Zwei Bosch P10 Pumpen bilden ein gemeinsames V16-Einspritzsystem
Beim MWM/Deutz TBD620 V16 arbeiten die Pumpen
12302170 / PE8/10/150/100LS50
und
12302171 / PE8/10/150/100LS51
nicht als voneinander unabhängige Aggregate.
Beide Einspritzpumpen werden mechanisch miteinander verbunden.
Zwischen den Pumpen befindet sich eine Kupplungswelle, über die beide Pumpeneinheiten mechanisch miteinander gekoppelt werden.
Gemeinsam übernehmen sie die Einspritzversorgung des vollständigen 16-Zylinder-Motors.
Aus diesem Grund betrachten wir ein solches Pumpenpaar nicht lediglich als:
zwei einzelne Achtzylinderpumpen,
sondern als:
ein gemeinsames mechanisches V16-Einspritzsystem.
Warum eine Einzelkalibrierung nicht ausreicht
Zunächst wurden beide P10-Einspritzpumpen einzeln kalibriert.
Nach Abschluss dieser Einzelprüfung erfüllten beide Pumpen die jeweils relevanten Prüfanforderungen.
Damit war die Arbeit an dem Pumpensystem jedoch noch nicht abgeschlossen.
Denn eine einzeln korrekt eingestellte Einspritzpumpe ist nicht automatisch perfekt auf ihre zweite, mechanisch gekoppelte Partnerpumpe abgestimmt.
Genau dieser Unterschied wurde bei diesem Projekt im abschließenden Tandemlauf sichtbar.
Gemeinsamer Tandem-Prüflauf der Pumpen 12302170 und 12302171
Nach der Einzelkalibrierung wurden beide überholten Einspritzpumpen mechanisch miteinander verbunden und als vollständiges Pumpentandem betrieben.
Damit konnte erstmals das gemeinsame Verhalten des vollständigen V16-Einspritzsystems beurteilt werden.
Unser spezieller Prüfstand ermöglicht hierfür die Messung über 16 getrennte, graduierte Messgläser.
Dadurch können gleichzeitig verglichen werden:
- alle acht Elemente der vorderen Pumpe
- alle acht Elemente der hinteren Pumpe
- Gleichmäßigkeit innerhalb der Pumpe 12302170
- Gleichmäßigkeit innerhalb der Pumpe 12302171
- Verhältnis beider Pumpen zueinander
- Gesamtverteilung über alle 16 Pumpenelemente
- Wiederholbarkeit der Fördermengen
- Verhalten unter gemeinsamer mechanischer Kopplung
Beide Pumpen mussten im Tandemlauf nochmals korrigiert werden
Der gemeinsame Prüfstandslauf lieferte bei diesem Projekt eine besonders wichtige Erkenntnis.
Obwohl beide Bosch-P10-Pumpen zuvor einzeln eingestellt und kalibriert worden waren, mussten im gemeinsamen Tandembetrieb beide Pumpen nochmals korrigiert werden.
Genau dieser praktische Befund zeigt den technischen Wert des Tandemlaufes.
Eine Einzelkalibrierung kann bestätigen, dass jede einzelne Einspritzpumpe innerhalb ihrer vorgesehenen Parameter arbeitet.
Erst der gekoppelte Betrieb zeigt jedoch, wie beide Pumpen gemeinsam als vollständiges V16-Einspritzsystem reagieren.
Nach der gemeinsamen Korrektur konnten beide Pumpeneinheiten nochmals als vollständiges System geprüft werden.
Warum der Tandemlauf bei einem TBD620 V16 wichtig ist
Bei einem über viele Betriebsstunden eingesetzten V16-Großdieselmotor können sich die beiden Einspritzpumpen unterschiedlich entwickeln.
Einflüsse können unter anderem sein:
- unterschiedliche Verschleißzustände
- Fertigungs- und Bauteiltoleranzen
- frühere Einzelreparaturen
- ausgetauschte Pumpenelemente
- unterschiedliche Regelhülsen
- Veränderungen früherer Einstellungen
- mechanische Kupplungstoleranzen
- Unterschiede in Regelstangenweg und Grundeinstellung
Selbst nach einer vollständigen Überholung und präzisen Einzelkalibrierung bleibt deshalb der abschließende gemeinsame Tandemlauf ein wichtiger Arbeitsschritt.
Dieses Referenzprojekt zeigt dies unmittelbar:
Erst während des gemeinsamen Betriebs wurde sichtbar, dass beide zuvor einzeln eingestellten Pumpen nochmals nachkorrigiert werden mussten.
Prüfung des vollständigen 16-Zylinder-Systems
Mit unserem speziell ausgelegten Prüfstand kann das vollständige Pumpentandem über 16 Messstellen gleichzeitig betrachtet werden.
Damit können die Fördermengen sämtlicher Zylinder eines V16-Einspritzsystems direkt miteinander verglichen werden.
Das Ziel ist nicht lediglich:
eine korrekte erste Achtzylinderpumpe
und
eine korrekte zweite Achtzylinderpumpe.
Das Ziel ist:
eine möglichst gleichmäßige und technisch abgestimmte Kraftstoffversorgung des vollständigen 16-Zylinder-Motors.
Besonders bei einem Marine-Hauptantrieb mit rund 1.800 kW ist dieser Abgleich von hoher Bedeutung.
Unterschiede in der Kraftstoffförderung können sich unter anderem auf folgende Größen auswirken:
- Zylinderleistung
- Abgastemperatur
- thermische Belastung
- Rauchentwicklung
- Motorlauf
- Kraftstoffverbrauch
- Lastverteilung zwischen den Zylindern
Trotz erfolgreicher Einzelkalibrierung mussten beide Bosch-P10-Einspritzpumpen im gemeinsamen Tandemlauf nochmals korrigiert werden. Erst die gemeinsame 16-Zylinder-Prüfung ermöglichte die abschließende Abstimmung des vollständigen TBD620-V16-Einspritzsystems.
Technische Anfrage zu einer Bosch P10 Einspritzpumpe
Bosch P10 PE8/10/150/100LS50 – 12302170
Die vordere Pumpe dieses TBD620-V16-Einspritzsystems besitzt folgende Identifikation:
Bosch P10
PE8/10/150/100LS50
Bosch 9 410 365 828
Bosch 9410365828
MWM/Deutz 12302170
MWM/Deutz 1230 2170
MWM/Deutz 1230-2170
Diese unterschiedlichen Nummern- und Schreibweisen sind besonders bei Ersatzteilrecherche, technischen Anfragen und internationalen Suchsystemen relevant.
Bosch P10 PE8/10/150/100LS51 – 12302171
Die hintere Einspritzpumpe des Pumpentandems besitzt folgende Identifikation:
Bosch P10
PE8/10/150/100LS51
Bosch 9 410 365 829
Bosch 9410365829
MWM/Deutz 12302171
MWM/Deutz 1230 2171
MWM/Deutz 1230-2171
Die LS50- und LS51-Ausführungen müssen als genau definierte Pumpenversionen betrachtet werden.
Äußerlich ähnliche Bosch-P10-Pumpen dürfen nicht allein aufgrund der gleichen Baugröße gegeneinander ausgetauscht oder nach derselben Spezifikation eingestellt werden.
Ergebnis der Instandsetzung
Bei diesem TBD620-V16-Projekt wurde nicht lediglich ein Defekt repariert.
Das vollständige mechanische Pumpensystem wurde systematisch bearbeitet:
Technische Befundung
→
vollständige Demontage
→
Reinigung und Vermessung
→
Erneuerung sämtlicher Pumpenelemente
→
Erneuerung sämtlicher Druckventile
→
Erneuerung sämtlicher Stößel
→
Erneuerung mehrerer Regelhülsen
→
vollständiger Neuaufbau
→
Einzelkalibrierung nach originalen Bosch-Prüfdaten
→
Abgleich mit Motor-Abnahmedaten
→
mechanische Verbindung beider Einspritzpumpen
→
gemeinsamer 16-Zylinder-Tandemlauf
→
erneute Korrektur beider Pumpen
→
abschließende Prüfung des vollständigen Einspritzsystems
Damit wurden nicht lediglich zwei einzelne Bosch-P10-Einspritzpumpen instand gesetzt.
Das gesamte Pumpensystem des MWM/Deutz TBD620 V16 wurde als zusammengehörige technische Einheit geprüft und abgestimmt.
Bosch P10 Instandsetzung für MWM/Deutz TBD620 und TCD2020
Die Einspritzpumpen Manufaktur NRW ist auf die technische Befundung, vollständige Instandsetzung und Prüfstandskalibrierung mechanischer Großdiesel-Einspritzpumpen spezialisiert.
Unser Leistungsspektrum umfasst unter anderem:
- Bosch P9
- Bosch P10
- MWM/Deutz TBD604
- MWM/Deutz TBD620
- MWM/Deutz TCD2020
- V8-, V12- und V16-Anwendungen
- vollständige Pumpentandems
- Einzelkalibrierung
- 16-Zylinder-Tandemprüfung
- Ersatzteilversorgung
- historische Originalteile und NOS-Komponenten
- Reverse Engineering
- Nachfertigung nicht mehr lieferbarer Einspritzpumpenteile
Für V16-Anwendungen empfehlen wir grundsätzlich, nach Möglichkeit beide zusammengehörigen Einspritzpumpen gemeinsam einzusenden.
Nur so können unterschiedliche Verschleißzustände, abweichende Reparaturstände und Unterschiede zwischen beiden Pumpen zuverlässig beurteilt werden.
Technische Anfrage zu einer Bosch P10 Einspritzpumpe
Sie betreiben einen:
MWM/Deutz TBD620 / TBD 620
oder
MWM/Deutz TCD2020 / TCD 2020
und benötigen Unterstützung bei einer Bosch-P9- oder Bosch-P10-Einspritzpumpe?
Für eine erste technische Beurteilung benötigen wir möglichst:
- vollständige Motorbezeichnung
- Motornummer
- Motorleistung
- Nenndrehzahl
- Zylinderzahl
- Pumpentyp
- Bosch-Typenformel
- Bosch-Teilenummer
- MWM-/Deutz-Teilenummer
- Fotos beider Pumpen
- Fotos sämtlicher Typenschilder
- Fehlerbeschreibung
- Informationen über frühere Reparaturen
- vorhandene Bosch-Prüfblätter
- Motor-Abnahmedaten
- weitere technische Motorunterlagen
Bei einem V16-Motor sollten nach Möglichkeit immer die Daten beider Einspritzpumpen übermittelt werden.
Based in North Rhine-Westphalia, Germany – supporting customers throughout Europe and worldwide.
Fuel injection pumps and individual components can be sent to our workshop by prior arrangement.